Wilde Vision von Wildkräutern

Die Kölnerin Mica Frangenberg hat eine Leidenschaft für Wildkräuter – und hat sich damit einen Traum verwirklicht. Eine spannende Geschichte, die Mut macht, eigene Ideen in die Tat umzusetzen. Warum Mica Frangenberg so gerne zupft und schnüffelt und wie sie mit ihrer WILDKRÄUTEREI an einer Vision für ein besseres Leben tüftelt, das alles erzählt sie jetzt selbst.

Mica Frangenberg über ihre Vision:

Seit einigen Jahren beschäftige ich mich jetzt mit Wildkräutern. Nicht mit Majoran, Rosmarin und Lavendel, sondern mit den Pflanzen unserer Wiesen und Wälder. Das Wissen, dass ich darüber immer weiter sammle, möchte ich weitergeben. Weil das Thema Antworten geben kann auf Fragen, die sich in der Zwischenzeit besonders viele Stadtmenschen stellen: Wie wollen wir essen? Was? Wie wollen wir leben? In was für einer Welt? Was kann ich verändern?

 

Fasziniert vom Thema Wildkräuter

Hier und da arbeite ich als freie Journalistin. Irgendwann hab ich eine Reportage über eine Kräuterpädagogin aus der der Eifel geschrieben und sie dafür einen Tag lang begleitet. Ich war sofort total fasziniert von dem Thema. Der Gedanke, dass unsere Vorfahren all das Wissen über Geschmack und Heilkraft unserer Wildpflanzen besaßen und davon kaum etwas übrig geblieben ist, hat mich nicht mehr losgelassen. Wie kann das sein? Heute würde uns dieses Wissen alle ein Stück unabhängiger machen von Pharmaunternehmen und Industriefraß.

Ganz kurz bin ich dann mal eingetaucht in die Szene der Wildkräuterpädagogen und fand die Art der Wissensvermittung, die da gepflegt wurde schnell ganz gruselig. Da schwang mir viel zu viel Esotherik und Spirituelles mit. Das war eigentlich der Moment, in dem ich gedacht habe: Das kannste besser!

Kochen mit selbst gesammelten Wildkräutern

Jetzt bin ich selber Wildkräuterpädagogin. Die Bezeichnung für meinen Berufstand finde ich übrigens nicht so gelungen. Auch da lasse ich mir eines Tages etwas Besseres Einfallen – sollte ich selber solch eine Ausbildung einmal anbieten. In meinen Seminaren, gehe ich mit Menschen durch die Natur. In meinen Kochkursen kochen wir, was vorher per „Einkaufszettel“ gesammelt wurde. Ich erkläre und es wird gezupft, geschnüffelt, gekostet. Die Beschäftigung mit Wildpflanzen ist eine sehr sinnliche. Man ist mit viel Achtsamkeit unterwegs und bekommt einen ganz anderen Blick auf das, was draußen kreucht und fleucht. So tue ich, ganz nebenbei, auch etwas zum Schutz der Natur. Wichtiger ist mir aber, meine Semianarteilnehmer zu befähigen sich ein kleines Stück unabhängig zu machen, von den vielen Zwängen, die das Großstadtleben so vorgeben. „Einkaufen“ geht halt auch anders und ohne Geld. „Ernten“ geht ohne Garten und „gesund“ auch ohne Apotheke.

Streifzüge durch die Großstadtnatur

Von Anfang an wollte ich Großstadtmenschen, wie ich selber einer bin, ihre Großstadtnatur näher bringen. Das ist doch ein Wunder, was in der Stadt alles wächst. Um das zu zeigen,  wollte ich meine Seminarteilnehmer durch die Parks der Stadt und am Rhein entlang führen. Pflanzen sammeln und verarbeiten. Gleich bei meinen ersten Streifzügen, wurde mir klar, dass ich diese Pläne gleich wieder begraben konnte. Die Kölner Stadtnatur ist so dermaßen in der Hand von Hunden und Ihren Haltern – da war kaum ein nicht kontaminierter Fleck Grün zu finden, an dem ich bedenkenlos Pflanzen sammeln konnte. Da wo kein Hunde AA lag, war Straße oder Privatgrundstück.

Einen kurzen Augenblick lang, war ich verunsichert. Vielleicht hatte ich mich komplett verzettelt und meine Idee gar nicht umzusetzen.

Wie durch Zufall, flog mir dann vor 2 Jahren das 4000 qm Areal der WILDKRÄUTEI entgegen. Ich hatte es nicht gesucht. Da war mir klar – ich bin auf dem richtigen Weg.IMG_0028 - Kopie

 Geschäftssinn und Wildkräuter – wie passt das zusammen?

Die größte Herausforderung ist es, die Menschen davon in Kenntnis zu setzten, dass es die WILDKRÄUTEREI gibt. Woher sollen sie das wissen? Mein Angebot, stößt auf ganz viel Interesse. Da mach ich mir keine Sorgen. Aber das Bekanntwerden erfordert viel Einsatz, ein gutes Netzwerk, ein wenig Marketing und GEDULD. Das finde ich eigentlich am schwierigsten. Zusammen mit der Tatsache, dass man finanziell haushalten und neben schönen Seminarideen eben auch Geschäftssinn entwickeln muss. Außerdem gilt es das riesige Areal, den Garten, in Schuss und ansehnlich zu halten. Die Natur hasst Gärten! Das ist ein Kampf, den man nicht gewinnen kann und sehr anstrengend ist er noch dazu. Ich hab im letzten Jahr viel über „schweres Gerät“ gelernt.

 Zukunftsvision als alte Kräuterhexe

Mir gefällt der Gedanke, dass ich etwas gefunden habe, das ich bis ins hohe Alter machen kann. Meine anderen Projekte, die ich nebenher mache, scheinen mir zeitlich begrenzt. In meiner WILDKRÄUTEREI könnte ich als alte Kräuterhexe enden – glücklich. Und wenn ich lache, blitzen grüne Pflanzenreste zwischen meine dritten Zähnen….

Hier geht’s zu Micas Wildkräuterei.

Wenn du dich für das Thema Wildkräuter interessierst, dann lies doch auch die Mutmacher-Geschichte von Miriam Betancourt und ihrem Start-Up „Kraut und Blüten“.

 

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